Serie: Berühmte Ghostwriter-Werke

Redenschreiber in der Antike waren vermutlich die ersten Ghostwriter, die damals noch Logographen genannt wurden. Ob Nero oder Cäsar und Vertreter des Volkes vor Gericht nutzen einen Logographen ebenso, wie die Angeklagten für Verteidigungsreden.
Später folgten Theaterstücke aus der Feder talentierter Autoren und Autorinnen, deren Werke mit gefeierten Theaterproduzenten Furore machten. Die wahren Schöpfer blieben unerkannt im Hintergrund. Frauen hatten es seinerzeit besonders schwer, denn als Autorin sanken ihre Möglichkeiten, "gut" verheiratet zu werden, zumal schreibende Frauen überheblich belächelt wurden. Dennoch gab es einige Autorinnen, die aus genau diesem Grund im Auftrag von Männern Werke verfassten. Doch auch berühmte Dichter der alten Zeit schrieben für Leute, die weniger talentiert waren. Goethe verfasste anfänglich mehrmals unerkannt im Auftrag Reden und sogar Theaterwerke, um Geld zu verdienen. Selbst international bekannte, mehrfach verfilmte Werke wie "Der Graf von Monte Christo" oder "Die drei Musketiere" entstanden teils komplett "fremd" und teilweise zusammen mit einem Ghostwriter. Auch Konsalik schrieb seine letzten Bücher mit einem Ghostwriter zusammen, da er krankheitsbedingt überhaupt nicht mehr in der Lage war, kreativ zu schreiben. So sind nur wenige Autobiografien von Stars aus Musik, Film und Politik selbst verfasst. Beispielsweise Boris Becker und Richard von Weizäcker ließen schreiben, anstatt es selbst zu tun. John F. Kennedy gewann mit seinem "Profile in Courage" den Pulitzer, für das Buch war allerdings sein Assistent verantwortlich, und auch Hillary Clinton konnte mit einem von Barbara Feinman geschriebenen Buch einen Preis gewinnen.
Teil 1: Auguste Maquet für Alexandre Dumas des Jüngeren

Alexandre Dumas Die drei Musketiere Auguste Maquet
Als Schreiber eines Notars erkannte Alexandre Dumas (der Jüngere) sein Talent, mehr als nur gesprochene Vorgaben zu Papier zu bringen. 1825 verdiente er sein erstes Honorar als Co-Autor eines Stücks, 1826 beteiligte er sich an der Abfassung seines ebenfalls aufgeführten "Vaudevilles". Daneben betätigte er sich als Lyriker sowie als Journalist. In den Jahren 1827 - 1829 bekam er Zugang zum Salon des Autors Charles Nodier, wo er unter anderem Victor Hugo kennenlernte. Sein erstes historisches Stück um Königin Christina von Schweden wurde 1828 zwar angenommen, aber nicht aufgeführt. Bekannt wurde Dumas dann 1829 durch sein romantisches Drama "Henri III et sa cour". Weitere Bühnenwerke folgten. Alexandre hatte demnach zweifellos die Gabe, eine fesselnde Theaterwelt zu erschaffen. Abstecher in das Genre "Novelle" wurden gleichwohl publiziert. Dennoch suchte er die kreative Zusammenarbeit für seine heute international berühmtesten Werke. Zusammen mit Auguste Maquet, dessen Manuskripte er zufällig lesen konnte, entstanden "Der Graf von Monte Christo" und "Die drei Musketiere". Insbesondere die Musketiere beruhen der Historie gmäß auf realen Persönlichkeiten und zumindest teilweise auf tatsächlichem Zeitgeschehen, das sie mit kreativer Freiheit entsprechend anreicherten. Wie viel "Dumas" und wie viel "Maquet" in jedem Buch steckt, ist unbekannt. Die Literaturwissenschaft vermutet, dass Dumas reale Begebenheiten recherchierte oder kannte, die "Storyline" vorgab und Maquet letztlich auf dieser Grundlage die Zeilen verfasste.



