Kurios: Ghostwriting für "KI"-Bücher


Vermutlich durch die Berichte über beispielsweise “Shy Girl”, das vermeintlich durch “KI” zum Bestseller im Selfpublishing avancierte, erhalten wir vermehrt Anfragen zur Überarbeitung von Büchern, die mit solchen Programmen oder mit Unterstützung von AI-Agenturen wie “my life” entstanden. Dabei handelte es sich bisher um 4 Autobiografien, 1 umfangreicher Reisebericht und 2 Romane. Diese Bücher vereinten zwei Faktoren: Sie sind grammatikalisch perfekt, einige Zeilen beinhalten sogar interessante Kombinationen. Andererseits sind sie allesamt eintönig. Ohne jegliche kreative Überlegung, ob man bspw. eine Autobiografie in der Kindheit beginnen sollte und durchweg im “und dann ... und dann...”-Stil schreiben sollte oder vielleicht lieber in Rückblenden, beginnend bei einem spektakulären Ereignis.
Emotionales, Empfindungen, Details (Gerüche, Farben, Geräusche etc.) sind weder in den besagten Autobiografien noch im Reisebericht zu lesen. Höchstens mal ein “Da war ich aufgeregt.” Auch den Romanen fehlt es an Spannung und fesselnden Plots. Zudem findet man Kapitel, deren “Erzählungen” nicht so recht zu den vorherigen Seiten passen. Das Lektorat solcher Bücher oder auch nur eine grobe Überarbeitung entzog sich unserem Erfahrungsschatz. Natürlich könnte man alle Kapitel verwenden und jedes Buch neu beginnen, anders zusammenstellen, Emotionen, Details und Ereignis bezogene Feinheiten spannend integrieren, das wäre aber ohne großen Zeitaufwand nicht machbar. Doch wer Bücher mit oder durch AI schreibt, tut das zumeist auch aus finanziellen Gründen. Die Bucharbeit soll keine Kosten verursachen. Das Buch soll Geld erwirtschaften, aber keinen Aufwand hervorrufen.
Nachdem der renommierte Verlag “Hachette” sein Interesse an “Shy Girl” von Mia Ballard verlor, wurde das Werk noch bekannter. Ob das gut oder schlecht für die Verkaufszahlen ist, wird sich noch zeigen. Verlage heucheln in dieser Hinsicht jedoch eine Tugend vor, die so zumeist nicht mehr stattfindet, denn Verlage arbeiten längst selbst mit AI-Programmen und tolerieren das Schreiben mit "KI". Laut Frankfurter Rundschau erklärte Christian Jünger, CEO der Penguin Verlagsgruppe: "Vom Grundsatz her vertrauen wir natürlich erst mal unseren Autoren, wir lassen uns zusichern, dass die Inhalte nicht vollständig von einer KI generiert worden sind. Gleichzeitig ist uns klar, dass Kreative KI-Tools als Hilfsmittel benutzen– das ist auch in Ordnung. Uns ist wichtig, dass das transparent ist und dass wir keine vollständig von KI generierten Inhalte veröffentlichen." “KI” (AI ist der korrekte Ausdruck) bestimmt heute oftmals, welches Manuskript grad zum Verlag passt, welcher Schreibstil und welche Inhalte selektiert werden. Lektorat ersetzen gleichwohl immer öfter den Menschen und nicht immer ist das wirklich gut, was dabei rauskommt. Wir haben uns der Thematik AI, bzw. “KI” seit 2024 schon mehrfach angenommen und es bleibt einerseits interessant und spannend, andererseits jedoch handwerklich auch sehr besorgniserregend. Denn Menschen verlernen schrittweise (in jeder Hinsicht) Qualität zu erkennen und zu würdigen.



